• David Werner

"Konzentriert arbeiten" von Cal Newport

Aktualisiert: 7. Juli

Wie wäre es, sich einfach mal eine Woche frei zunehmen, um zu lesen und nachzudenken? In einer voll durch getakteten Welt eigentlich kaum vorstellbar. Aber genau das macht Bill Gates zweimal jährlich während seiner sog. „Think-Week“. Warum konzentriertes Arbeiten so wichtig ist und welche Techniken es neben dieser Think-Week noch gibt, zeigt Cal Newport in seinem Buch „Deep Work“ oder auf Deutsch „Konzentriert arbeiten“. Einige Ideen aus dem Buch möchten wir uns jetzt einmal anschauen.

 

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Deep Work vs. Shallow Work

Deep Work Cal Newport Konzentriert Arbeiten

Cal Newport unterscheidet generell zwischen zwei Arbeitsweisen. Einmal Deep Work: Das ist ein Zustand höchster Konzentration, frei von Ablenkungen, die eine produktive geistige Tätigkeit ermöglicht.










Shallow Work Cal Newport Konzentriert arbeiten

Das Gegenteil davon ist Shallow Work. Das sind geistig ziemlich anspruchslose Tätigkeiten, mit denen man keinen wirklichen Wert schafft. Das Paradebeispiel, das Cal Newport hier nennt, ist das Beantworten von E-Mails. Diese Tätigkeiten sind im Normalfall auch ziemlich einfach zu kopieren.







Laut Cal Newport gibt es zahlreiche Beispiele für erfolgreiche Menschen, die sich bewusst Bedingungen schaffen, um sich voll auf ihre Arbeit konzentrieren zu können – Deep Work also. Der Cyberpunk-Autor Neal Stephenson geht dabei noch weiter als Bill Gates mit seinen Think-Week. Denn er ist kaum elektronisch erreichbar, um in Ruhe schreiben zu können.


Vor allem in unserer heutigen Gesellschaft mit Social-Media leidet bei vielen Menschen die Fähigkeit, konzentriert zu arbeiten. Deep Work wird also immer seltener – damit aber auch wertvoller. Denn es wird immer wichtiger, schnell und effektiv Neues lernen zu können, um beruflich nicht auf der Strecke zu bleiben – so Cal Newport. Außerdem zählt laut ihm heutzutage nur noch Bestleistung, denn nach dem Prinzip „The winner takes it all“ bleibt für Mittelmäßigkeit nicht viel Platz. Das Beste aus sich herauszuholen sei aber nur mit Deep Work möglich.

Diese Fähigkeit kann man trainieren wie einen Muskel. Dafür stellt Cal Newport vier Regeln auf, die uns dabei helfen sollen:



1. Konzentration

Es ist wissenschaftlich bewiesen, dass der Mensch dem natürlichen Drang unterliegt sich ablenken zu lassen. Diesem Drang zu widerstehen, erfordert Willenskraft und eine Methode, die zu einem passt.

Grundsätzlich gibt es hier vier verschiedene Philosophien, die Cal Newport vorstellt:


1. Mönchische Deep-Work-Philosophie

Wie der Name schon vermuten lässt, geht es hier darum, sich komplett abzuschotten, um über eine längere Zeit konzentriert arbeiten zu können. Wie schon kurz angesprochen, verfolgt Neal Stephenson genau diese Strategie, indem er beispielsweise jegliche Kontaktaufnahme per E-Mail ablehnt, um ungestört schreiben zu können. In seinem Blogeintrag mit dem Titel „Why I Am a Bad Correspondant“ begründet er diesen radikalen Ansatz damit, dass er nur dann Romane schreiben kann, wenn er viele lange aufeinanderfolgende Zeitabschnitte hat, in denen er konzentriert arbeiten kann. Gerät dieser Rhythmus außer Kontrolle, sinke seine Produktivität dramatisch.


2. Bimodale Deep-Work-Philosophie

Die mönchische Deep-Work-Philosophie wird wahrscheinlich nur für die wenigsten umsetzbar sein, aber dafür gibt es ja auch noch Alternativen, wie bspw. die bimodale Deep-Work-Philosophie. Hier haben wir eine zeitliche, aber auch räumliche Trennung von Deep-Work Phasen und anderen Tätigkeiten.

Cal Newport nennt hier als Beispiel den Psychologen Carl Gustav Jung, ein Schüler Siegmund Freuds, der sich regelmäßig in ein abgelegenes Steinhaus in Zürich zurückgezogen hat, um seine Theorien weiterzuentwickeln.


3. Rhythmische Deep-Work-Philosophie

Hier integriert man Deep Work als wiederkehrendes Muster in den Alltag, sodass sich eine Gewohnheit einstellt. Der Comedian Jerry Seinfeld schreibt sich beispielsweise jeden Tag einen guten Gag auf. Wenn er das geschafft hat, gibt es ein Kreuz im Kalender.


4. Journalistische Deep-Work-Philosophie

Hier kann man sich jederzeit in einen Deep-Work-Zustand versetzen. Beispielsweise bedient sich der Steve Jobs Biograf Walter Isaacson dieser Technik, sodass er neben seiner Arbeit als Journalist auch sehr erfolgreiche Bücher schreiben kann. Allerdings ist diese Technik nicht ganz einfach zu erlernen und deshalb laut Cal Newport nicht unbedingt für Anfänger zu empfehlen.


Rituale und Gewohnheiten

Wichtig für konzentrierte Arbeit sind Rituale. So haben auch viele bekannte Persönlichkeiten der Geschichte bestimmte Regeln und Gewohnheiten entwickelt. Hier muss allerdings jeder eine individuelle Lösung entwickeln. Dabei könne folgende Punkte helfen:


1. Zeit und Ort festlegen (am besten ein ruhiger Arbeitsplatz, wo man auch nichts anderes macht)

2. Bei der Arbeit einer festen Struktur folgen, um das Gehirn zu entlasten

3. Sich selbst unterstützen, bspw. durch eine Tasse Kaffee zur Einstimmung


Konzentriert arbeiten im Großraumbüro?

Die Realität sieht aber oft so aus, dass viele Menschen zusammen im Großraumbüro sitzen. Laut Cal Newport kein guter Ort für konzentrierte Arbeit – auch wenn der gegenseitige Austausch gut für Deep Work sein könnte. Deshalb sein Vorschlag: Schallisolierte Einzelbüros, die an Gemeinschaftsflächen grenzen, um sowohl konzentrierte Arbeit als auch den Ideenaustausch zu fördern.

Als Beispiel führt Cal Newport hier das Building 20 am MIT an, das eigentlich während des Zweiten Weltkrieges als provisorisches Labor eingerichtet wurde. Trotzdem oder gerade deshalb sind hier einige Innovationen entstanden – denn dort arbeiteten Wissenschaftler aus den verschiedensten Bereichen zusammen, sodass hier auch der sog. „Whiteboard-Effekt“ zum Einsatz kommen konnte. Damit ist einfach gemeint, dass bei bestimmten Herausforderungen der gemeinsame Austausch am Whiteboard die Konzentration erhöhen kann.


Regel 2: Langeweile

Wir Menschen neigen dazu, eine gewisse Sucht nach Ablenkung zu haben: So wird bei der geringsten Wartezeit das Handy rausgeholt, um die Zeit zu überbrücken. Um konzentrierter arbeiten zu können, müssen wir zum einen die Fähigkeit sich zu konzentrieren trainieren, aber auch gleichzeitig den Drang nach Ablenkung überwinden. Cal Newport schlägt dazu folgende Methode vor:

Und zwar legt man sich neben den PC einen Zettel, auf dem man aufschreibt, wann genau man wieder online gehen darf. So kann man seine Willenskraft trainieren. Das kann man natürlich nicht nur auf die Arbeit anwendenden, sondern auch auf die Freizeit, sodass man dann – selbst wenn man gerade warten muss – beispielsweise nicht ans Handy darf. So können wir neue Gewohnheiten aufbauen und es fällt uns einfacher, Ablenkungen zu widerstehen.


Regel 3: Social-Media

Ich denke mal jeder von euch kennt das: Da wollte man nur mal kurz etwas im Internet nachschauen und findet sich dann Stunden später auf irgendwelchen Social-Media-Plattformen wieder. Für Deep Work nicht gerade förderlich.

Das Problem dabei ist unsere Willenskraft. Je größer der Reiz der Ablenkung, desto größer muss die Willenskraft sein, um dem zu widerstehen. Gar nicht so einfach bei Algorithmen, die sich den Interessen der Nutzer anpassen und so meist den richtigen Content vorschlagen. Vor allem, da Willenskraft auch nur eine begrenzte Ressource ist, die über den Tag hinweg immer weniger wird.


Was wäre also die Lösung? Gar keine Onlinemedien mehr nutzen?

Auf jeden Fall eine Möglichkeit, aber wahrscheinlich würden das nur die wenigsten auch tatsächlich umsetzen wollen. Cal Newports Vorschlag also: Social-Media als Werkzeug sehen, das einen weiterbringen kann – aber nicht muss. Also sollte man ganz genau alle Vor- und Nachteile abwägen und wenn man feststellt, dass die Social-Media Nutzung einen bei seinen persönlichen Zielen nicht weiterbringt, wäre es wahrscheinlich besser, bestimmte Apps zu deinstallieren – entweder für immer oder erst einmal nur für eine bestimmte Zeit.


Hilfreich kann es auch sein, die eigene Onlinezeit genau zu messen, denn oft neigen wir dazu, die tatsächliche Zeit zu unterschätzen, die wir online sind – so Cal Newport. Diese Zeit kann man dann auch wieder in Relation zu den eigenen Zielen setzen und wird so bewusster mit seiner Zeit und Aufmerksamkeit umgehen.



Regel 4: Shallow Work

Im der vierten und letzten Regel sollte man alle Shallow-Work-Phasen in seinem Tagesablauf finden und so weit wie möglich reduzieren. Zur Erinnerung: Das waren geistig anspruchslose Tätigkeiten, die leicht zu kopieren sind.

Cal Newports Vorschlag: Den gesamten Tag in 30-Minuten-Schritten durchplanen und keine Minute leer lassen, um zu verhindern, dass man sich mit unnützen Dingen aufhält. Da man allerdings oft die Zeit nicht genau einschätzen kann, die man für eine Tätigkeit brauchen wird, schlägt Cal Newport vor, die Tagesplanung dynamisch zu gestalten. Also man darf den Plan während des Tages immer wieder anpassen. Es geht auch gar nicht darum, den ganzen Tag mit Arbeit vollzustopfen, sondern darum, sich seiner Zeitverschwendung bewusst zu werden.


Generell wird nämlich in der Gesellschaft laut Cal Newport Shallow Work überschätzt und ihre schädliche Wirkung unterschätzt. So verbringt man dann die meiste Zeit seines Tages in sinnlosen Meetings oder mit dem Beantworten von Mails. Also keine Arbeit um der Arbeit Willen wie es Timothy Ferriss in seinem Buch "Die 4-Stunden-Woche" beschreibt.


Shutdown-Ritual

Cal Newport beendet seinen Arbeitstag beispielsweise um 17.30 Uhr mit einem Shutdown-Ritual: Er schaut also nochmal alles kurz durch und dann ist bis zum nächsten Morgen Schluss mit Arbeiten. Also nicht im Bett noch ein paar Mails checken. Das muss alles bis zum nächsten Arbeitstag warten. Laut Cal Newport ist es wichtig, seinem Gehirn deutlich zu machen, dass Schluss mit Arbeiten ist. Denn erst dann fangen wir wieder an, unsere Batterien aufzuladen. Außerdem verhindert man dadurch eher, dass einem noch ständig Gedanken über die Arbeit im Kopf herumschwirren – denn oft schafft man schafft man ja nicht, seine Arbeit komplett abzuschließen.


Persönliches Fazit

Wie ihr seht, zeigt Cal Newport, dass die Fähigkeit für Deep Work in einer Welt voller Ablenkungen immer wichtiger wird. Und er zeigt einige nützliche Tipps, wie man ins Handeln kommen kann. Also auf jeden Fall zu empfehlen, wenn ihr auch bereit seid, etwas zu verändern und euch auch nicht davor scheut etwas radikaler Methoden umzusetzen, wie beispielsweise ohne Social Media zu leben oder als Angestellter nicht ständig für die Kollegen erreichbar zu sein.

Bevor ihr jetzt schnell jegliche Online-Nutzung beendet, könnt ihr ja noch vorher den Blog abonnieren ;) Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal!


Beste Grüße

David

 

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