• David Werner

"Schnelles Denken, langsames Denken" von Daniel Kahneman | Zusammenfassung

Aktualisiert: 13. Sept. 2021

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Beispiele von Illusionen

Welche dieser Linien ist länger? 
Linien Rätsel
Welche dieser Linien ist länger?

Vielleicht habt ihr dieses Rätsel ja schon einmal gesehen und wisst damit, dass beide Linien gleich lang sind – was sich auch bestätigt, wenn man nachmisst.

Linien Rätsel Auflösung
Tatsächlich sind beide Linien gleich lang.

Eine weitere Illusion

Versuchen wir es mit etwas anderem: Ist hier die rechte Figur größer als die linke? Es scheint zumindest so. Aber auch hier handelt es sich um eine Illusion, die man ganz einfach dadurch auflösen kann, indem man die Linien im Hintergrund entfernt. Aber warum lassen wir uns eigentlich so leicht täuschen? Und vor allem: Wie werden unsere Entscheidungen beeinflusst?

Hi. Mein Name ist David und genau das gibt es jetzt mit dem Buch „Schnelles Denken, langsames Denken“ (bzw. wie es auf Englisch erschienen ist: "Thinking, Fast and Slow") vom Nobelpreisträger Daniel Kahneman.


Schnelles Denken mit System 1

Ein Schläger und ein Ball kosten zusammen 1,10 Euro. Der Schläger kostet einen Euro mehr als der Ball. Frage: Wie viel kostet der Ball? Intuitiv sagen die meisten jetzt: 10 Cent. Würde der Ball aber 10 Cent kosten, dann wären wir insgesamt bei 1,20 Euro. Die richtige Antwort ist 5 Cent.


Das ist ein Beispiel für schnelles Denken. Daniel Kahneman nennt dieses intuitive Denken, das automatisch und ohne große Anstrengung arbeitet, System 1.



Langsames Denken mit System 2

Wie sieht es bei der Rechenaufgabe 17 x 24 aus? 

Hier wird es ziemlich schwierig intuitiv die richtige Antwort zu nennen. Zwar könnt ihr das Ergebnis vielleicht auf einen groben Bereich eingrenzen, aber um die genaue Antwort herauszufinden, braucht man im Normalfall schon etwas länger. Könntet ihr euch zum Beispiel sicher sein, dass die Lösung nicht 568 ist?


Rechnet jetzt gerne die richtige Lösung aus. Dabei kann man auch etwas sehr interessantes beobachten: Nämlich, dass der gesamte Körper daran beteiligt ist. Die Muskeln spannen sich an, der Blutdruck und der Herzschlag steigen und die Pupillen weiten sich.


Das ist ein Beispiel für langsames Denken. Das ist das System 2, das für anstrengende mentale Arbeiten gut ist. Welche eure Hände ist jetzt näher am Bildschirm? Das ist ziemlich leicht oder? Eine Aufgabe also für System 1. Wie sieht es aber aus, wenn ihr den Preis von verschiedenen Produkten miteinander vergleichen wollt? Hier kommt das System 1 relativ schnell an seine Grenzen und wir wechseln ins langsame Denken. Auch wenn ihr in diesem Text die Anzahl des Buchstabens ‚a’ herausfinden wollt, ist das eine Aufgabe für System 2.


System 1 dominiert unser Leben

Obwohl wir häufig denken, rational und bewusst zu handeln, spielt das System 1 in unserem Leben eigentlich die Hauptrolle. Denn unsere Gefühle und Eindrücke, die spontan entstehen, nehmen wesentlichen Einfluss auf das System 2. Das Benutzen von System 2 ist mit Anstrengung verbunden und deshalb benutzen wir diesen Denkmodus nur, wenn es notwendig ist. Ansonsten dominiert System 1.


Denkfehler

Das mag zwar ziemlich effizient sein, kann aber relativ schnell zu Denkfehlern führen. Ein Beispiel gefällig?

Alle Rosen sind Blumen.
Manche Blumen verwelken schnell. 
Daher verwelken einige Rosen schnell. 

Diese falsche Folgerung wird vom Großteil einer Gruppe Studierender für richtig gehalten. Wir lassen uns hier täuschen, weil wir intuitiv wissen, dass Rosen verblühen. System 2 müsste relativ viel Energie aufwenden, um diese logischen Beziehungen zu analysieren und deshalb meint System 1 relativ schnell, dass die Schlussfolgerung wahr ist und überzeugt System 2 davon.


System 2 als "fauler Kontrolleur"

Genau das ist aber das Problem: Da System 2 als eine Art „fauler Kontrolleur“ agiert, ist das System 1 die Grundlage vieler unserer Entscheidungen – und damit auch unserer Fehlentscheidungen. Ein weiteres Beispiel gefällig?

Wie viele Tiere jeder Art nahm Mose mit in die Arche? 

Fällt euch an dieser Frage etwas auf - auch wenn ihr vielleicht nicht so bibelfest seid? Wenn nicht, dann seid ihr auf die Moses-Illusion hereingefallen. Denn Mose nahm keine Tiere mit auf die Arche, es war Noah.

Hier stellen wir uns direkt Tiere vor, die auf die Arche gehen und verbinden das Ganze natürlich relativ schnell mit der Bibel. Weil Mose da kein Unbekannter ist, akzeptieren wir die Frage relativ schnell – ohne sie zu hinterfragen. Wenn man Mose durch Angela Merkel ersetzen würde, würde das Ganze natürlich nicht mehr funktionieren.


Kognitive Verzerrungen

Wenn ihr selbst die Wirkung von kognitiven Verzerrungen beobachten wollt, dann hängt doch einfach mal auf der Arbeit über der Kaffeekasse verschiedene Poster auf. Probiert das Ganze zum Beispiel mit einem Blumenbild aus und dann mit einem Poster, bei dem zwei Augen einen direkt anschauen.

Das Ergebnis: Normalweise wird man den sog. Priming-Effekt beobachten können, bei dem ein Reiz, der von System 1 aufgenommen wird (also hier das Bild), direkt auf das System 2 einwirkt. Da man sich beim Bild mit dem Augenpaar beobachtet fühlt, wird da ziemlich wahrscheinlich auch mehr Geld in Kasse sein.

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Heuristiken

Was uns auch noch zum Verhängnis werden kann, sind sog. Heuristiken. Dabei versuchen wir schwierige Aufgaben zu vereinfachen, um mit den uns vorliegenden Informationen schneller zu einer Lösung zu kommen. Im Endeffekt also eine Abkürzung.


Nehmen wir mal den Halo-Effekt. Dabei schleißt man von bekannten Eigenschaften auf unbekannte. Was meint ihr?

Wie weit wird es diese Frau mal politisch bringen?
Frau sitzt vor Laptop

Ihr kennt nur das Bild, aber trotzdem schließt man durch das Aussehen direkt auf die Kompetenz und unterliegt damit dem Halo-Effekt. Indem man die Frage außerdem durch die Überlegung ersetzt, ob die Frau wie eine politische Gewinnerin aussieht, kann man sich anstrengenden Rechercheaufwand vermeiden. Das kommt System 2 sehr entgegen und damit können wir die Frage relativ schnell beantworten – auch wenn man damit natürlich komplett daneben liege könnte.


Das Problem ist dabei auch, dass wir unsere Vorstellung bestätigen wollen. Wir suchen also nach Fakten, die unsere Theorie bestätigen und blenden alles andere so gut wie aus.


Ankereffekt

Beim Ankereffekt lassen wir uns von Zahlen beeinflussen, um unbekannte Werte abzuschätzen. Wenn ich euch fragen würde, ob Gandhi mehr oder weniger als 144 Jahre alt war, als er starb, werdet ihr das Alter bei seinem Tod höher schätzen als wenn ich den Anker bei 35 Jahren gesetzt hätte. Diesen Effekt können sich auch Unternehmen zunutze machen, indem sie das Angebot begrenzen. So kaufen Menschen im Supermarkt mehr von einem Artikel, wenn sie nur eine begrenzte Menge mitnehmen dürfen.


Außerdem schließen wir oft von wenigen bekannten Informationen auf das Ganze und gewichten unwahrscheinliche Ereignisse über. Was denkt ihr?

Hat eine Frau, die in der New-Yorker U-Bahn die New-York-Times liest einen Doktortitel oder hat sie vielleicht nicht mal einen Collegeabschluss? 

Die Mehrheit würde Doktortitel sagen. Dabei ist es aber um einiges wahrscheinlicher, in der New-Yorker U-Bahn jemanden anzutreffen, der keinen Collegeabschluss hat.


Dabei ist natürlich auch relevant, auf was wir unsere Aufmerksamkeit richten. So können einzelne Ereignisse wie ein Flugzeugabsturz, über den in den Medien berichtet wird, unsere Handlungen und Entscheidungen in der Zukunft beeinflussen und uns beispielsweise dazu verleiten, doch lieber auf das Auto oder die Bahn umzusteigen – auch wenn das Risiko eines Flugzeugabsturzes weiterhin verschwindend gering ist.


Kognitive Verzerrungen an der Börse

Kommen wir jetzt mal zum Thema Börse. Auch hier können wir relativ schnell kognitiven Verzerrungen unterliegen. Habt ihr es zum Beispiel dieses Jahr bis jetzt geschafft, den Markt zu schlagen, könnte man relativ schnell in Euphorie und Selbstüberschätzung verfallen und meinen, man wäre der nächste Warren Buffet. Die Frage ist nur: Welche Rolle hat dabei der Zufall gespielt?


Narrative Verzerrungen, die Nassim Taleb auch in seinem Buch „Der Schwarze Schwan“ beschreibt, sind dabei auch sehr häufig zu beobachten. Dabei redet man die Vergangenheit schön und schreibt sich Kompetenzen zu, die vielleicht einfach nur dem Zufall unterliegen.


Verlustaversion

Problematisch kann es auch durch die Verlustaversion werden. Wir möchten nämlich eher Verluste vermeiden als Gewinne einfahren. Deshalb verkaufen wir oft Gewinneraktien und halten an Verliereraktien fest – ganz nach dem Motto: Die werden schon noch steigen. Dabei wäre es wahrscheinlich sinnvoller, Gewinne laufen zu lassen und Verluste zu begrenzen. Mehr zum Thema Verlustaversion bekommt ihr in der Vorstellung zu Chris Voss‘ Buch „Kompromisslos verhandeln“.

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Verlustaversion

Mentale Buchführung

Interessant finde ich in diesem Zusammenhang auch, dass wir in unserem Kopf Buch führen – ähnlich wie man es im Rechnungswesen macht. Dabei spielen aber auch unsere Emotionen eine wichtige Rolle. Denn wenn man ein Konto negativ abschließen würde, zum Beispiel wenn man eine Aktie mit Verlust verkauft, dann müsste man sich ja eingestehen, dass man vielleicht einen Fehler gemacht hat.


So stecken Unternehmen zum Beispiel auch zusätzliches Geld in ein Projekt, das man schon längst hätte beenden sollen. Hier wird also gutes Geld schlechtem hinterhergeworfen. Vielleicht wäre es aber auch einfach sinnvoller, mit den versunkenen Kosten zu leben und das Geld lieber in ein neues Projekt zu stecken.


Die Lösung

Was kann man also machen, um nicht dem System 1 die Entscheidungsmacht zu überlassen? Eigentlich ganz einfach: Man sollte bewusst das zweite System aktivieren, wenn man eine wichtige Entscheidung zu treffen hat.

Dazu kann man sich einfach mal Stift und Papier hinsetzen und anfangen zu denken. Um bessere Entscheidungen zu treffen, kann es auch hilfreich sein, sich die Kritik von anderen Menschen anzuhören.


Und spätestens jetzt solltet ihr auch die Lösung für die Rechenaufgabe vom Anfang haben: 17 x 24 ist 408.


Vielen Dank fürs Lesen und bis zum nächsten Mal :)

Beste Grüße

David

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