• David Werner

Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?

Es ist der 25. Mai 2020 als ein weißer Polizeibeamter sich neun Minuten und 29 Sekunden lang mit vollem Körpergewicht auf den Hals des Afroamerikaners George Floyd kniet und ihn damit tötet.

Das Video von der Festnahme geht um die Welt und viele Menschen gehen auf die Straße, um die Message „Black Lives Matter“ zu verbreiten.

Der Fall von George Floyd macht aber eigentlich nur das bewusst, was schon lange klar ist. Denn Racial Profiling, Polizeigewalt und Rassismus sind bei weitem nichts neues.


Aber woher kommt es eigentlich überhaupt, dass weiße Menschen oft denken überlegen zu sein und hilft es dabei wirklich, unsere Sprache zu ändern, in dem zum Beispiel die Mohrenstraße in Berlin umbenannt wird?

Der äthiopisch-deutsche Unternehmensberater und Autor Asfa-Wossen Asserate hat in seinem Buch „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“ (*) dazu eine ganz klare Meinung. Aber bevor wir dazu kommen, müssen wir zuerst verstehen wie das Phänomen der Fremdenfeindlichkeit überhaupt entstanden ist.

 
 

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Rassismus

Grundsätzlich gibt es eigentlich gar keine unterschiedlichen menschlichen „Rassen“, da wir Menschen im Erbgut zu mehr als 99,99 % gleich sind – egal welche Hautfarbe man hat oder welche Herkunft man hat. Die Unterschiede im Aussehen ergeben sich durch Migration und der Anpassungsfähigkeit der Menschen.


Was es aber natürlich sehr wohl gibt, ist Rassismus. Also sprich, dass Menschen aufgrund ihrer Hautfarbe oder ethnischen Zugehörigkeit diskriminiert oder abgewertet werden.

Die Einteilung in Weiße und Schwarze oder auch Gelbe und Rote gibt es dabei aber noch nicht seit immer. Tatsächlich ist es so, dass laut Wissenschaft die Wiege des Menschen auf dem afrikanischen Kontinent entstand und sich die Menschen von dort aus auf die ganzen Welt verteilten.


Dass die Haut heller wurde, ist dabei eine Anpassung an die Umwelt als die Menschen anfingen, sesshaft zu werden und Ackerbau zu betreiben. Denn durch eine hellere Haut kann der Körper mehr Vitamin D produzieren.


"Schwarz und schön"

Das Bild von Schwarzen in der Antike und auch im Mittelalter war oft positiv besetzt. Das Motto: „Schwarz bin ich, aber schön“ oder man kann es auch mit „Schwarz und schön“ übersetzen.


Im späten Mittelalter entwickelte sich zum Beispiel der Brauch, einen der Sternsinger mit schwarzer Hautfarbe darzustellen – aber keinesfalls als rassistischer Akt, sondern als Wertschätzung Dunkelhäutiger und es beglaubigte auch die universelle Herrschaft des Kaisers.


Schwarz und Weiß bezogen sich im Mittelalter nicht nur auf Hautfarben. Denn Schwarz war eine Farbe der Sünde und des Teufels. So konnte jemand sehr wohl dunkelhäutig sein, aber im Herzen trotzdem weiß.

Im 14. und 15. Jahrhundert fing der Sklavenhandel an zu florieren und viele fingen an, sich mit schwarzen Dienern zu schmücken, wodurch viele schwarze Menschen nach Europa kamen.

In dieser Zeit benannten sich auch viele Wirtshäuser, Pilgerherbergen oder auch Apotheken nach dem Schwarzen der Heiligen Drei Könige, wodurch Namen wie „Zu den drei Mohren“ oder „Zum schwarzen Mohr“ entstanden. Und auch Straßennamen wie die „Mohrengasse“ oder „Mohrenstraße“ entstanden zu dieser Zeit.


Atlantischer Sklavenhandel

Durch die Entdeckung Amerikas veränderte sich das Bild der Europäer auf die Schwarzen. Auch wenn es Sklaven und Sklavenhandel schon immer gegeben hat, nahm der atlantische Sklavenhandel neue Dimensionen an. Es wird geschätzt, dass während der 366 Jahre mindestens 12,5 Millionen Afrikaner aus ihrer Heimat deportiert wurden. Neben dem Holocaust eines der größten Verbrechen in der Menschheitsgeschichte.


Die Schwarzen, die jetzt nach Europa kamen, sahen anders aus als die „Mohren“, die eher orientalisch und islamisch geprägt waren. Über die Schwarzen aus Westafrika verbreiteten sich Nachrichten, wie dass sie „barbarisch“ seien und sie wurden auch des Kannibalismus verdächtigt.

Im Gegensatz zu den Mohren wurde den Schwarzen jegliche Kulturleistung abgesprochen. Allerdings war immer weniger von „Mohren“ die Rede und in Deutschland setzte sich im 18. Jahrhundert die Bezeichnung „Neger“ durch.


Ende der ursprünglichen Hochachtung

Von der Hochachtung, mit der man den Schwarzen ursprünglich begegnet war, ist von nun an auch wenig übrig geblieben. Teilweise wurden ihre Körper nach dem Tod sogar seziert, die Haut über die Ohren abgezogen und sie dann wie ein Tier ausgestellt.


Entstehung von unterschiedlichen Menschenrassen

Seit Ende des 17. Jahrhundert werden die Wörter schwarz und weiß benutzt, um die Hautfarbe von Menschen zu kennzeichnen.

Weißschminken- und pudern kam in Mode. Denn auch nur eine sonnengebräunte Haut könnte ja bedeuten, dass man körperliche Arbeit verrichtet.


Mitte des 18. Jahrhunderts wurde dann die Unterscheidung in vier Menschenrassen populär:

  • Weiße Europäer

  • Rote Amerikaner

  • Gelbe Asiaten

  • Schwarze Afrikaner

Den Afrikanern wurden dabei keine guten Eigenschaften zugeordnet. Weil ihr Gehirn kleiner als das der Europäer sei, seien sie noch näher am Affengeschlecht als die Europäer – so hieß es zumindest.


Während wiederum andere sogar in fünf Menschenrassen einteilten und dabei keine Hierarchie festlegten, lehnte sich Immanuel Kant weiter aus dem Fenster. Laut ihm gebe es vier Rassen, wobei alle von den Weißen abstammen und es eine eindeutige Hierarchie gebe, bei der die Weißen an der Spitze stehen.


Damit war die Einteilung in „Weiß“ und „Schwarz“ in der Welt und auch die damit verbundenen Eigenschaften, wie dass Schwarze „Wilde“ seien. Und Dunkelhäutige bekamen die Hierarchie auch deutlich zu spüren. So wurden sie bspw. als Jahrmarkt-Attraktion ausgestellt und es wurden Menschenzoos eingerichtet.


Kolonialzeit

Das Kolonialzeitalter machte die Situation allerdings nicht besser. Die Europäer teilten sich Afrika untereinander als Beute auf. Es kam zu einer langen Zeit der Gewalt und Zwang, bei der die lokale Bevölkerung massiv unterdrückt und ausgebeutet wurde.

So sind bspw. auch heute noch viele Kunstwerke in europäischen Museen eigentlich Raubwerke aus der Kolonialzeit.


Nach dem Zweiten Weltkrieg begann aber der Anfang vom Ende des europäischen Kolonialismus. Die Afrikaner wollten frei sein und waren auch bereit, ihre Freiheit mit Gewalt zu erkämpfen.

Es kam teilweise zu heftigen Auseinandersetzungen und tatsächlich wurden in den 1950er Jahren immer mehr afrikanische Staaten unabhängig. Andere Staaten wie Namibia schafften aber erst 1990 die Unabhängigkeit zu erreichen.


In der breiten Bevölkerung spielte die Kolonialzeit lange keine große Rolle, weil der Zweite Weltkrieg und die damit entstandenen Gräueltaten einfach alles überschatteten.

Und auch noch heute haben viele ehemaligen Kolonialmächte mit der Aufarbeitung der Geschichte so ihre Probleme – zu groß ist die Angst vor möglichen Entschädigungszahlungen und so wird das Thema oft einfach heruntergespielt oder totgeschwiegen.


Laut Asfa-Wossen Asserate sollte es bei der Diskussion aber nicht primär um Geld gehen. Sondern was wirklich wichtig ist, ist, dass sich Europäer und Afrikaner auf Augenhöhe gegenüberstehen.




Was schon passiert ist und was noch kommen muss

Es ist bereits viel passiert und es wurde auch schon einiges erreicht. So wurde bspw. dank Rosa Parks und Co. in den 1960ern in den USA die Rassentrennung aufgehoben. Trotzdem verdienen bis heute Schwarze in den USA weniger als Weiße, werden häufiger von der Polizei kontrolliert und sterben auch früher.


Aber auch in Deutschland haben und hatten es Dunkelhäutige nicht leicht. So wurden sie bspw. während der Zeit des Nationalsozialismus verfolgt, da ihre Rasse als minderwertig galt.

Auch nach Ende des Zweiten Weltkrieges gab es zum Beispiel immer noch die Vorstellung, dass sich „Rassen nicht mischen sollten“. Auf die unverheirateten Mütter wurde Druck ausgeübt ihre Mischlingskinder, wie die Kinder genannt wurden, zur Adoption freizugeben und es wurde ihnen verboten, Kontakt mit ihren Kindern zu halten.


Trotzdem kamen in der Zeit immer mehr Einwanderer nach Europa – bspw. um zu studieren oder weil sie als Arbeitskräfte gebraucht wurden. Viele sind geblieben – und auch wenn die nachfolgenden Generationen hier geboren wurden und Deutschland ihre Heimat ist, fühlen sich viele teilweise trotzdem fremd im eigenen Land.

Sie haben mit Anfeindungen oder Vorurteilen zu kämpfen, werden beschimpft oder auch bei der Wohnungssuche benachteiligt.

Immer mehr nehmen aber auch im öffentlichen Leben Afrodeutsche wichtige Rollen wie bspw. in der Politik ein, wodurch sie öffentlich sichtbar werden.


Aber hilft es da wirklich, um gegen die Diskriminierung vorzugehen, die Sprache zu ändern, indem zum Beispiel das Spiel „Wer hat Angst vorm Schwarzen Mann?“ umbenannt wird?

Natürlich ist es wichtig über die Themen zu sprechen. Denn erst dann kann man sie lösen. Aber laut dem Autor haben wir uns im Streit um Formulierungen verbissen, während die Veränderung der Welt aus dem Blick verloren wird.


So hält der Autor nichts davon, Werke wie Mozarts Zauberflöte oder Verdis Othello umzuschreiben. Stattdessen muss man die Dinge im Kontext der Zeit sehen.

Und eigentlich schade es sogar der Aufarbeitung der Kolonialzeit, wenn man Wörter einfach aus dem Sprachgebrauch streicht.

Was wir stattdessen brauchen sind konstruktive Debatten darüber wie wir wieder zusammenkommen. Wie wir als Gesellschaft eine gemeinsame Vision entwickeln, was wir für die Entwicklung Afrikas tun können und wie wir dafür sorgen können, dass Afrikaner und Europäer sich auf Augenhöhe begegnen. So der eindrückliche Apell des Autors.


 
 

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