• David Werner

Benjamin Graham: Intelligent Investieren | Zusammenfassung

Aktualisiert: 12. Juli

„Mit Abstand das beste Buch über Investieren das jemals geschrieben wurde.“

Das zumindest sagt Warren Buffett über Benjamin Grahams Investment-Bibel „Intelligent Investieren“ bzw. wie es auf Englisch erschienen ist „The Intelligent Investor“. Mein Name ist David und heute schauen wir uns die Strategien vom Vater der Fundamentalanalyse genauer an und klären die unterschiedlichen Methoden für passive und aktive Investoren. Außerdem zeige ich euch, was es mit Mr. Market auf sich hat.


Beachtet bitte nur, dass die letzte überarbeitete Ausgabe von Benjamin Graham 1973 erschienen ist. Deshalb solltet ihr gerade konkrete Zahlen, die ich hier nenne, nicht einfach blind eins zu eins auf euer Portfolio anwenden.


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Investieren vs. Spekulieren

Benjamin Graham zeigt in seinem Buch die Strategien des Value Investing. Im Gegensatz zu André Kostolany ging es Benjamin Graham also ums Investieren – nicht ums Spekulieren. Schauen wir dazu nochmal kurz in André Kostolanys Buch „Die Kunst, über Geld nachzudenken“:

Für Kostolany ist ein Spekulant jemand, der an der Börse überlegt handelt und versucht, die Entwicklung von Wirtschaft, Politik und Gesellschaft richtig zu prognostizieren, um dann davon zu profitieren.


Während Spekulanten versuchen Geld zu verdienen, indem sie darauf wetten, dass der Aktienkurs steigt, weil jemand anderes bereit ist, mehr Geld für das Unternehmen zu zahlen, achtet ein Investor auf andere Faktoren. Graham definiert das folgendermaßen:

„Eine Investition liegt dann vor, wenn sie, nach gründlicher Analyse, die Sicherheit des eingesetzten Kapitals und einen angemessenen Gewinn verspricht.“ (S. 49)

Intelligentes Investieren

Und was ist jetzt ein intelligenter Investor? Intelligent heißt hier nicht, dass man einen hohen IQ haben muss, sondern, dass man geduldig, diszipliniert und lernbegierig ist. Außerdem muss man seine Emotionen zügeln können und selbstständig denken können.


Value-Investoren und die Markteffizienzhypothese

Generell wollen Value-Investoren Unternehmen finden, die unter ihrem inneren Wert gehandelt werden. Sprich: 40 Cent investieren und eigentlich einen Euro bekommen.

Um überhaupt unterbewertete Unternehmen finden zu können, muss man allerdings voraussetzen, dass Aktienkurse nicht effizient sind. Effizient bedeutet, dass bereits alle verfügbaren Informationen in den Kursen eingepreist sind und damit ein Aktienkurs im Normalfall den fundamentalen Unternehmenswert widerspiegelt. Wenn das allerdings tatsächlich der Fall wäre, würde es gar keine Unter- oder auch Überbewertungen geben. Graham lehnte die Markteffizienzhypothese ab und damit können laut ihm Unternehmenswert und Aktienkurs voneinander abweichen und erst im Laufe der Zeit zusammen finden.


Mr. Market

Den Schwankungen an der Börse gibt Benjamin Graham mit „Mr. Market“ ein Gesicht. Stellt euch vor, euch gehört zusammen mit Mr. Market ein Unternehmen. Und regelmäßig bietet euch Mr. Market seine eigenen Anteile am Unternehmen an oder möchte eure Anteile am Unternehmen haben. Mr. Market ist manisch-depressiv und damit kann der Unternehmenswert von sehr optimistisch bis zu sehr pessimistisch reichen. Da ihr ganz genau wisst, dass Mr. Market bald mit einem neuen Angebot zurückkommen wird, könnt ihr das Angebot jederzeit ablehnen oder annehmen.


Und genau so ist es auch an der Börse: Man sieht ständig die Preise zum Kauf oder Verkauf über den Bildschirm flimmern und kann darauf warten, bis Mr. Market in einer pessimistischen Stimmung ist, um dann günstig zu kaufen und bei Euphorie zu verkaufen. Dazu braucht man allerdings Geduld und Disziplin – der intelligente Investor ist also nicht auf schnelle Gewinne aus.


Margin of Safety (Sicherheitsmarge)

Ob Aktien günstig oder teuer sind, kann man durch Fundamentalanalyse herausfinden. Welche Faktoren hier wichtig sind, schauen wir uns gleich an. Generell gilt, dass die Differenz zwischen dem inneren Wert einer Aktie und dem aktuellen Kurs relevant ist. Diese Differenz nennt Graham „Margin of Safety“ (Sicherheitsmarge).


Zwei verschiedene Arten von Investoren

Für intelligente Investoren gibt es laut Benjamin Graham grundsätzlich zwei Möglichkeiten:

  1. Entweder ist man ein aktiver bzw. professioneller Investor und hat sein Portfolio ständig im Blick

  2. oder aber man geht das Ganze etwas entspannter an. Und zwar als passiver bzw. defensiver Anleger. Man richtet sich also einmal ein Portfolio ein und braucht sich dann nicht mehr wirklich darum kümmern.


Passiver Investor

Asset-Allocation

Graham schlägt für den defensiven Investor eine Aufteilung von 50/50 vor: 50 % in Aktien und 50 % in Anleihen. Allerdings sind auch andere Aufteilungen denkbar– je nachdem in welcher Lebens- und Finanzsituation man sich gerade befindet.


Von der Formel „100 – Alter = Aktienanteil“ hielt Graham nicht viel. Denn es kann durchaus Sinn machen, auch im hohen Alter in Aktien zu investieren – beispielsweise wenn man sein Vermögen so oder so vererben möchte.


Das Verhältnis von Anleihen- und Aktienanteil hängt auch davon ab, wie die Märkte sich gerade verhalten. So kann man während eines Crashs, wenn die Papiere zu Schnäppchenpreisen verfügbar sind, mehr in Aktien investieren – und in einem Bullenmarkt eher verkaufen und das Geld in Anleihen stecken. Allerdings sollte laut Graham eine Anlagekategorie nie über 75 % steigen, womit die andere auf unter 25 % sinken würde.


100 % Aktienanteil?

Könnte man aber nicht einfach 100 % in Aktien anlegen? Das könnte tatsächlich für eine sehr kleine Minderheit in Frage kommen – allerdings nur, wenn man bestimmte Kriterien erfüllt. Dazu gehört beispielsweise, dass

  1. der Notgroschen für mindestens ein Jahr reicht,

  2. man auch in den nächsten 20 Jahren investieren will,

  3. und schwierige Zeiten wir die Dotcom-Blase der 2000er Jahre oder den Corona-Crash überlebt hat und die Charakterstärke hatte, in einem Crash seine Aktien nicht zu verkaufen, sondern nachzukaufen.

  4. Außerdem sollte man einen klaren Plan haben, um sein Verhalten kontrollieren zu können.

Für die meisten ist das Risiko bei einem Aktienanteil von 100 % aber einfach zu groß – gerade wenn man beispielsweise selbstständig ist und auf private Rücklagen angewiesen ist.


Rebalancing

Seine Asset-Allocation sollte man ein- bis zweimal im Jahr kontrollieren und gegebenenfalls anpassen, damit das ursprüngliche Verhältnis wiederhergestellt ist. Sollte der Aktienanteil also zu groß geworden sein, sollte man Aktien verkaufen und das Geld in Anleihen investieren.


Cost-Average-Effekt

Außerdem macht es Sinn, regelmäßig einen festen Betrag zu investieren, um vom Cost-Average-Effekt (Durchschnittskosteneffekt) zu profitieren. Sollten die Preise also gerade sehr hoch sein, bekommt man weniger Anteile für sein Geld und wenn die Preise niedrig sind, bekommt man mehr Anteile – im Endeffekt kauft man also zu einem Durchschnittspreis ein und braucht nicht versuchen, den Markt nicht timen.


Fonds als Alternative

Wenn man keine Zeit oder Lust hat, sich sein Portfolio selbst zusammenzustellen, können Fonds eine sehr gute Alternative sein. Graham spricht vor allem von aktiv gemanagten Fonds und auf welche Faktoren man dabei achten sollte. Für die meisten werden heutzutage aber wahrscheinlich eher passive Fonds wie ETFs in Frage kommen.

 

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Aktienauswahl für den defensiven Investor

Wer als defensiver Investor lieber selbst Aktien auswählen möchte, um sein Portfolio zusammenzustellen, sollte ausreichend, aber auch nicht übertrieben diversifizieren. Sprich: Mindestens 10 und maximal 30 Titel im Portfolio.

Bei der Aktienauswahl sollte man laut Graham auf folgende Faktoren achten (vgl. S. 370 ff.):


1. Unternehmensgröße

Da kleine Unternehmen eher mit den Schwankungen des Marktes zu kämpfen haben, sollte das Unternehmen laut Graham groß und bedeutend sein. Konkret forderte er mindestens 100 Millionen $ Umsatz bei Industrieunternehmen und 50 Millionen $ Gesamtvermögen bei öffentlichen Versorgungsunternehmen. Beachtet aber bitte, dass diese Zahlen aus den 70er Jahren kommen.


2. Finanzstärke

Das Unternehmen sollte konservativ finanziert sein. Ein Kriterium ist hier beispielsweise, dass bei Industrieunternehmen das Umlaufvermögen mindestens doppelt so hoch wie die kurzfristigen Verbindlichkeiten sein sollte.


3. Gewinne

Bei den Stammaktien sollte es in den letzten 10 Jahren keine Verlustjahre gegeben haben.


4. Dividenden

Graham fordert, dass seit 20 Jahren ununterbrochen Dividenden gezahlt wurden.


5. Gewinnwachstum

Die Gewinne je Aktie sollten in den letzten 10 Jahren um 1/3 gestiegen sein. Dazu schaut man auf den Durchschnitt der ersten und der letzten drei Jahre des Zeitraums.


6. KGV (Kurs-Gewinn-Verhältnis)

Der Kurs sollte nicht höher sein als der 15-fache Durchschnitt der Gewinne der letzten drei Jahre.


7. KBV (Kurs-Buchwert-Verhältnis)

Hier sollte der Kurs nicht höher sein als das Eineinhalbfache des letzten ausgewiesenen Buchwerts.



Aktiver Investor

Strategien für den professionellen Investor

Was ist aber, wenn man höher hinaus will? Grundsätzlich weist Graham darauf hin, dass es für die meisten Anleger gar nicht ratsam ist, selbst Einzelaktien auszuwählen und sich als aktiver Investor zu probieren. Denn nicht mal viele Experten schaffen es, gut zu performen. Für die meisten ist es wahrscheinlich sinnvoller, in einen Indexfonds zu investieren.


Wenn man sich aber trotzdem als professioneller bzw. aktiver Investor versuchen will, sollte laut Graham erst einmal ein Jahr lang mit einem Demo-Konto üben und dann entscheiden:

  • Hat einem die Aktienauswahl Spaß gemacht oder war es für einen eher anstrengend?

  • Und natürlich: Hätte man vielleicht bessere Ergebnisse erzielt, wenn man in einen Indexfonds investiert hätte?

Selbst wenn man Spaß an der Auswahl hatte und gute Renditen erzielt hat, sollte man das Ganze auf 10 % seines Portfolios zu beschränken und den Rest in einen Indexfonds zu investieren.

Was sollte man jetzt aber mit diesen 10 % machen? Grundsätzlich kauft natürlich auch der professionelle Investor nur zu vernünftigen Preisen ein.


Branchen

Als erstes kann man nach Branchen schauen, die momentan nicht modern sind und deshalb große Gewinne bieten, wenn sich die allgemeine Meinung ändert. Um einen Eindruck davon zu bekommen, wie viel ein Unternehmen wert ist, können Vergleiche mit ähnlichen Unternehmen sinnvoll sein.


Management

Als nächstes sollte man sich das Management anschauen. Spricht hier der Manager mehr über den Aktienkurs als über das Geschäft, ist das eher ein Warnsignal. Das gleiche gilt, wenn der Jahresabschluss nicht wirklich einfach zu durchschauen ist und voller Fachausdrücke oder Fußnoten ist. Gute Manager sollten ehrlich und klar über die aktuelle Lage des Unternehmens kommunizieren.


Disziplin & Konsequenz

Als aktiver Investor muss man aber auch diszipliniert und konsequent sein und nicht einfach seinen Ansatz ändern, wenn er gerade nicht modern ist und auf der Grillparty alle von ihren sagenhaften Gewinnen mit Meme-Aktien erzählen.


Diversifikation

Um ausreichend diversifizieren zu können, schlägt Graham vor, etwa 1/3 in Länder außerhalb der USA zu investieren. Denn keiner weiß, wie sich die Zukunft entwickeln wird und deshalb können die verschiedensten Faktoren wie Inflation, Zinssätze, Rezessionen oder Kriege die Kurse beeinflussen.

Von den meisten ausländischen Staatsanleihen hielt Graham aber eher wenig – also Ausland heißt hier natürlich außerhalb der USA. Denn bei diesen Produkten hat so mancher Anleger in der Vergangenheit bereits ein blaues Wunder erleben können.


Berater

Insgesamt muss ein aktiver Investor also viel mehr Aufwand betreiben und sehr wachsam sein, um ein besseres Ergebnis erzielen zu können als der passive Investor. Wenn man deshalb auf einen Berater zurückgreifen möchte, sollte man auf schwarze Schafe achten, die nur an der eigenen Provision interessiert sind. Gerade bei Sätzen wie

  • „Sie müssen sich beeilen“,

  • „Das ist die Chance Ihres Lebens“ oder

  • „Vertrauen Sie mir“

sollte man seine Beine in die Hand nehmen.


Wenn euch das alles zu viel Arbeit ist oder zu kompliziert klingt, ist ein Indexfonds wahrscheinlich die beste und entspannteste Alternative.


Fazit

Wie ihr seht, beschreibt Benjamin Graham in seinem Buch viele Konzepte, die den meisten heutzutage wahrscheinlich selbstverständlich erscheinen. Aber man darf nicht vergessen, dass die erste Auflage des Buches vor über 70 Jahren erschienen ist und Grahams Konzepte damals natürlich nicht so geläufig waren wie heute. Für mich aber nach wie vor eine Pflichtlektüre für alle Value-Investoren.


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Beste Grüße

David

 

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